Alte Schule („Vikariehaus“), eine ganz besondere Geschichte
Über 200 Jahre hinweg war das alte Schulhaus das größte und ansehnlichste Haus in der kleinen und armen Westerwaldgemeinde. Im Band 2 der Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, wird es als eine der wenigen Schulen aus der Zeit von 1817 ausgewiesen. Wegen seiner besonderen Lage ist das Fachwerkhaus auf Basaltsteinsockel nicht zu übersehen, wenn man die Straße von Barig-Selbenhausen kommend, einen ersten Blick auf Probbach wirft. Dass das Dorf ein solches stattliches Schulhaus erhielt, ist eine Geschichte für sich.
Impressum
1690 Bettellizenz aus Hadamar für Anna Elisabeth Diehl. Erfolgreiche Sammelaktion im In- und Ausland, so will es die Legende.
1698 Bau einer Kirche (der Dreifaltigkeitskirche) und eines dazugehörigen Hauses für den Vikar. Zum Vikariehaus gab es außerdem noch zehn Morgen (2,5 ha ) Land zum Unterhalt des Pfarrers. Weiterhin erhielt Probbach direkt als Angrenzung zur Kirche seinen ersten eigenen Friedhof.
1697 oder 1699 Karmeliter Pater Bruno a. S. Cunegunde aus Frankfurt tritt seinen Dienst im Dorf an. Er wurde 1649 in Geldern unter dem Namen Theodor Verhagen geboren, das liegt nördlich von Duisburg nahe zur heutigen holländischen Grenze bei Venlo. 1669 erhielt er seine Profess. Einige Jahre zuvor tritt er in den Karmeliterorden ein. 1672 wird er in Köln zum Diakon und ein Jahr später zum Priester geweiht. Nach vielen unterschiedlichen Orten seines Wirkens kommt er 1689 nach Frankfurt a.M. Ab 1699 gibt es durch ihn erstmals geregelten Schulunterricht in Probbach. Leider verstirbt er am 28.12.1709 nach langer Krankheit. Am Tage des heiligen Silvesters (31.12.1709) wird er durch Weinandus Lommersheim, dem amtierenden Mengerskirchener Pfarrer, in der Dreifaltigkeitskirche zu Probbach beerdigt.
1713 Ein Kaplan Susewand wird in Probbach genannt. Er unterrichtet nicht. Man kann jedoch davon ausgehen, dass dieser Kaplan als Nachfolger von Karmeliter Pater Bruno im Vikariehaus gewohnt hat. (Quelle: Probbach – unser Dorf)
1715 Wird ein Kaplan Kaiser aus Niederbrechen im Zusammenhang mit Probbach genannt. Er wurde von Fürst Christian von Dillenburg eingestellt, um in Probbach von 1722 bis 1729 eine Kirchspielschule zu unterhalten. Es ist daher auch davon auszugehen, dass in diesem Zeitraum das Vikariehaus Kaplan Kaiser als Wohnhaus diente. (Quelle: Probbach – unser Dorf)
1735 Gottfried Schultheis wird Pfarrer in Mengerskirchen. "Ihm machten die Filialisten zu Probbach und Dillhausen und der Vikarius Autsch......das Pfarramt in Dillhausen streitig. Sie mähten das Gras ab, scheuerten die Früchte für den Winter ein. Die Vikare zu Probbach und Dillhausen, welche seit dem Jahre 1631 den Dienst für den Pfarrer versahen, gaben oft Veranlassung zu Reibereien." (Quelle: Pfarrchronik Mengerskirchen)
1736 "Aber entschied die fürstliche Regierung, dass der Pfarrer nicht mehr gestört werden dürfe und im Besitze der Dillhäuser Pfarrgüter...... die Vikare zu Probbach kämpften stets gegen den Pfarrer, was im Jahre 1791 die Verwandlung der Vikarie in eine Kaplanei zur Folge hatte." (Quelle: Pfarrchronik Mengerskirchen)
1747 Reparaturarbeiten am Vikariehaus wurden notwendig. Es geht (wie auch heute wieder) um Schadensfeststellung und Kosten.
1776 "Der Pfarrvikar in Probbach unterhielt 2 Kühe und 2 Rinder." (Quelle: Probbach – unser Dorf)
1786 Es scheint zu einer Einigung wegen der Reparaturarbeiten gekommen zu sein.
1788 Streit um Pfarrgüter! Deshalb wird die Vikarie Probbach-Dillhausen in eine Kaplanei umgewandelt. (Quelle: Probbach – unser Dorf)
1790 Der Lehrer Heinrich aus Ardorf erhielt (laut Schulchronik) das Vikariehaus bis 1805 zur Wohnung. Bis 1810 fand der Schulunterricht weiterhin nur im Winter statt, dazu noch im Backhaus, das einen größeren Raum besaß.
1705 Schullehrer Heep übernahm Schüler und Wohnung.
1810 Auf Ánforderung von Dillhausen erhielt ein neuer Lehrer die Stelle in Probbach als Nachfolger. Jedoch nicht nur Winter, sondern auch Sommerschule. Dies blieb bis 1817 so. (Quelle: Probbach – unser Dorf) Auch dieser wird seine Wohnung im Vikariehaus gehabt haben.
1827 Warum der „große Raum“ am Backhaus nicht mehr als Schulzimmer genutzt werden konnte, ist nicht bekannt. Lehrer Horn, von 1827 – 1832 Schullehrer in Probbach, vermerkte: „Als Wohnraum und Lehrzimmer dient jetzt das Vikariehaus, das mitten im Dorf steht. Das Lehrerzimmer ist zu klein und fasst kaum die halbe Schülerzahl.“ So musste Schichtunterricht abgehalten werden. (Quelle: Probbach – unser Dorf)
1828 berichtet der Lehrer von seinem Wohnhaus, dem Vikariehaus, dass das 130 Jahre alte Schieferdach durch ein „ziemlich dauerhaftes Strohdach“ ersetzt werden muss. Dies hielt bis 1848 !!! Auch erhielten die Wände einen weißen Anstrich und der Flur wurde mit Sandsteinplatten belegt.
1848 Das Strohdach muss neu gedeckt werden!
1855 Ab 1. November wohnten die Kapläne, die den Gottesdienst in Probbach und Dillhausen versahen, im Vikariehaus Probbach. (Quelle: Probbach – unser Dorf)
1864 Über Jahrzehnte hinweg findet man in der Schulchronik den Hinweis, dass der Schulsaal für 90 bis 100 Schüler viel zu klein sei. Die Inspektion des Regierungsrates gab den Anlass, dass eine neue Schule projektiert wurde. Der Bau sollte so schnell wie möglich ausgeführt werden. Kostenvoranschlag 3265 Taler!
1869 Nach dem Baubeginn der neuen Schule 1867 wurde diese am 10. Januar 1869 eingeweiht. Die Lehrerwohnung im Vikariehaus wurde weiterhin von den Lehrern bis 1908 bewohnt.
1889 Probbach und Dillhausen werden wieder Pfarrvikarie.
1901 Lehrer Diehl wurde nach Probbach versetzt und blieb bis 1907. Er war der letzte Lehrer, der im Vikariehaus wohnte.
1903 Am 23. Febr. wurde der Bau eines neuen Schulgebäudes und der Umbau des alten Schulsaales in eine Lehrerwohnung vergeben. Nach Baubeginn wurde der vorgesehene Termin (1. Nov.) nicht eingehalten. Die neue Lehrerwohnung wurde erst am 1. Mai 1904 bezugsfertig. Während dieser Zeit musste das Vikariehaus nochmals als Schulhaus aushelfen. (Quelle: Probbach – unser Dorf)
1904 Die kleine Wohnung im ersten Stock bewohnte Emil Stamm mit seiner Ehefrau bis 1943.
1908 Die Gemeinde vermietete nach dem Auszug des letzten dort wohnenden Lehrers und Umbaumaßnahmen (Quelle: Bauschein Nr. 6: Der königliche Landrat, Weilburg, den
11. April 1908) das Vikariehaus. Die große Wohnung wurde von Tobias Beck und seiner Familie bewohnt. Nach dem Tode von Tobias Beck wohnte hier weiterhin seine Tochter Maria mit ihrem Sohn Willi und Familie bis 1948. (Wisjes Willi)
1943 Als Nachfolger der Familie Stamm zog Familie Werner aus Frankfurt (Christa und Willi) in die kleine Wohnung im ersten Stock ein. Die Familie blieb dort bis Kriegsende (1948).
1944 Die Familie Scheiber aus dem Sudetenland mietete die kleine Wohnung im ersten Stock, wo sie bis 1970 blieb.
1946 Für kurze Zeit wurde der frühere Schulsaal, den die Gemeinde für Sitzungen, Versammlungen und Holzversteigerungen nutzte, an eine Familie Heiml aus dem Sudetenland vermietet. Die kleine Wohnung wurde nach Familie Werner von Johann Scheiber und Familie bis 1970 bewohnt.
1949 Sabine Sturm und Tochter Lisa Blum (Riddersch) mietete die große Wohnung. Sie übernahm die Reinigung des Gemeindezimmers (Gemoa-Schtoh genannt) und bediente die Straßenbeleuchtung des Ortes. Sie wohnte im Vikariehaus bis 1971.
1971 Nach Elise Blum wohnte in der Wohnung Leopold Sedlacek bis zu seinem Tode (22.1.1978).
1976 Bis 1976 wurde der Saal von der Gemeinde genutzt. Danach hat eine Gruppe Jugendlicher das Haus etwas renoviert und bis 1983 als Jugendräume genutzt.(Werkstatt, Küche, usw.) Die Kosmosband bestehend aus Harald Streubel, Gerd Schermuly, Christoph Horz und Karl Weimar nutzten ebenfalls die Räumlichkeiten in dieser Zeit. Dann ging das Haus in Privatbesitz über.
1983 Die Gemeinde verkaufte das Vikariehaus an Frau Gehring aus Wiesbaden. Die das Haus durch eine Versteigerung erwarb.
2000 Rückkauf durch die Gemeinde Mengerskirchen für 18.242 DM.